Durchlaufzeit verkürzen: Warum Ihre Aufträge mehr warten als laufen
Fragt man in einem Fertigungsbetrieb, wie lange ein Auftrag braucht, kommt meist die Bearbeitungszeit als Antwort: zwei Stunden Drehen, eine Stunde Fräsen, 30 Minuten Montage. Tatsächlich ist der Auftrag aber oft zwei oder drei Wochen im Haus. Die Differenz ist Wartezeit.
Genau hier liegt der größte Hebel für kürzere Lieferzeiten. Dieser Artikel zeigt, wie sich die Durchlaufzeit zusammensetzt, wie Sie sie messen und mit welchen sechs Hebeln Sie sie verkürzen, ohne in neue Maschinen zu investieren.
Woraus die Durchlaufzeit besteht
Die Durchlaufzeit ist die Zeit vom Start eines Auftrags bis zu seiner Fertigstellung. Sie setzt sich aus vier Anteilen zusammen:
\text{Durchlaufzeit} = \text{Rüstzeit} + \text{Bearbeitungszeit} + \text{Transportzeit} + \text{Liegezeit}In vielen Betrieben macht die Liegezeit den mit Abstand größten Teil aus. Das Teil wartet vor der Maschine, zwischen zwei Arbeitsgängen oder auf fehlendes Material. Wer die Durchlaufzeit verkürzen will, sollte deshalb zuerst bei den Wartezeiten ansetzen, nicht bei der Maschinengeschwindigkeit.
Durchlaufzeit messen statt schätzen
Bevor Sie etwas ändern, brauchen Sie einen Ausgangswert. Notieren Sie für zehn bis zwanzig typische Aufträge das Start- und Enddatum sowie die reine Bearbeitungszeit laut Arbeitsplan. Das Verhältnis beider Werte zeigt, wie viel Ihrer Durchlaufzeit wertschöpfend ist. Liegt es deutlich unter 50 Prozent, steckt das Potenzial in der Planung. Wie Sie solche Kennzahlen dauerhaft erfassen, zeigt der Artikel Termintreue messen statt schätzen.
Sechs Hebel, um die Durchlaufzeit zu verkürzen
- Weniger Aufträge gleichzeitig freigeben. Je mehr Aufträge parallel in der Halle liegen, desto länger wartet jeder einzelne. Geben Sie nur so viel frei, wie die Maschinen in den nächsten Tagen schaffen.
- Den Engpass nie warten lassen. Die Maschine mit der höchsten Auslastung bestimmt den Takt. Vor ihr sollte immer Arbeit liegen, hinter ihr nie ein Stau. Mehr dazu in Die Engpassmaschine steuert Ihre Fertigung.
- Reihenfolge nach Rüstfamilien bilden. Ähnliche Aufträge hintereinander sparen Rüstzeit und schaffen Kapazität. Wie das geht, lesen Sie in Rüstzeiten reduzieren durch clevere Auftragsreihenfolge.
- Material vor Freigabe prüfen. Ein Auftrag, der auf fehlendes Material wartet, blockiert Platz und Aufmerksamkeit. Starten Sie nur, was vollständig ist.
- Kleinere Lose, wo es sinnvoll ist. Kleinere Lose laufen schneller durch mehrere Arbeitsgänge, weil der nächste Schritt früher beginnen kann. Der Gegenpol sind häufigere Rüstvorgänge; hier gilt es abzuwägen.
- Übergänge sichtbar machen. Wenn der nächste Arbeitsplatz nicht weiß, dass ein Teil fertig ist, entsteht Liegezeit. Eine gemeinsame Planübersicht für alle Arbeitsplätze schließt diese Lücke.
Was kürzere Durchlaufzeiten bringen
Kürzere Durchlaufzeiten wirken an mehreren Stellen gleichzeitig. Sie können kürzere Liefertermine zusagen, binden weniger Kapital in Halbfertigware und reagieren schneller auf Eilaufträge. Außerdem wird die Planung verlässlicher, weil weniger Aufträge gleichzeitig offen sind und sich gegenseitig behindern.
Wie Plantrieb dabei hilft
Plantrieb zeigt je Maschine, welche Aufträge wann laufen und wo sich Arbeit staut. Sie sehen den Engpass auf einen Blick, prüfen Wunschtermine und erkennen sofort, wie sich das auf die Fertigstellung aller anderen Aufträge auswirkt. Ihre Daten kommen dabei aus dem bestehenden ERP oder aus Excel.
Fazit
Die Durchlaufzeit sinkt selten durch schnellere Maschinen, sondern durch weniger Warten. Wer Freigaben begrenzt, den Engpass schützt und die Reihenfolge bewusst plant, gewinnt Tage an Lieferzeit, ohne einen Euro in Anlagen zu investieren.
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